Sunshine Pier 3: I Know That You Want Me
Prolog
Vor ein paar Jahren …
Hailey Smith betrachtete den bewusstlosen Mann zu ihren Füßen und hoffte sehr, dass der Schlag gegen seinen Kopf stark genug gewesen war, um ihn vergessen zu lassen, dass sie ihn ausgeteilt hatte. Nervös spielte sie mit dem Ring an ihrer Kette, stieg über die Holzlatten am Boden, deren Radius sie völlig falsch eingeschätzt hatte, und sank in die Hocke.
»Hallo? Alles okay?«
Seine Brust hob und senkte sich gleichmäßig, das hielt sie für ein gutes Zeichen. Allerdings reagierte er nicht, als das Huhn, das sie heute Morgen vor dem Suppentopf gerettet hatte, ihm auf die Beine sprang und auf seine Anzughose kackte. Ein eher schlechtes Zeichen.
»Shit, was tust du?« Hastig zog sie die Henne an der Leine, die an ihrem Handgelenk festgebunden war, von dem Fremden weg. »Das sieht nach einem Designerstück aus!« Insgesamt lag der dreiteilige Anzug so eng an den muskulösen Schultern und Beinen ihres Unfallopfers an, dass er nur maßgeschneidert sein konnte. Sie schätzte den Mann auf Anfang dreißig – und als reich ein. Sie war ebenfalls fast dreißig, aber ganz sicher nicht reich. Ihre beste Freundin Maddie und sie hatten sich die letzten Monate von Spaghetti und Ketchup ernährt, um sich die Mietkaution ihrer neuen geschäftlichen Räumlichkeiten direkt nebenan leisten zu können. Weitere Dinge, die sie nicht mit diesem Mann gemeinsam hatte: Sie trug Flip-Flops, keine Hugo Boss-Anzugschuhe. Ihre Haare waren schwarz und lockig, nicht dunkelrot und glatt. Sie sah laut ihrer sehr alten, wenn auch süßen Vermieterin aus wie eine Frau, die keine Kontrolle über ihr Leben hatte. Der Mann wie ein junger Michael Fassbender. Und, ach ja, sie war bei Bewusstsein.
»Entschuldigung?«, sagte sie höflich und rüttelte an den Schultern des männlichen Models. »Könntest du bitte wach werden?«
»Was zur Hölle? Hast du Cian umgebracht?«
Erschrocken schaute sie auf und erblickte Tara, die entsetzte Kellnerin, die ihr vorhin netterweise die Bretter – oder auch die Tatwaffen – überlassen hatte.
»Er lebt!«, beteuerte Hailey. »Er hat nur einen Schlag gegen den Kopf bekommen. Alles ist gut.« Hoffte sie.
»Oje, warte, ich hole schnell etwas Wasser.« Die Kellnerin eilte zurück ins Innere des Sunny Umbrellas.
Wasser war eine sehr gute Idee. Hailey erhob sich und griff nach einem der Handsprüher, die auf jedem einzelnen der runden Tische auf der Terrasse standen, vermutlich um Wespen damit zu verscheuchen. Dann öffnete sie die Flasche und schüttete den Inhalt unzeremoniell ins Gesicht des Mannes.
Japsend erwachte er zum Leben und fuhr in eine sitzende Position hoch. Haileys Erleichterung war sogar stärker als ihr Wunsch, diesen Mann ohne Shirt zu sehen. Doch heidewitzka, jetzt, da das weiße Hemd wasserdurchtränkt an seinen Muskeln klebte …
»Oh, fuck«, fluchte er – und das Erste, das Hailey auffiel, war sein Akzent. Das U in Fuck klang tatsächlich nach einem U. Nicht nach einem A. Als Zweites ging ihr auf, dass er offensichtlich Schmerzen hatte. Denn er tastete nach seinem Kopf, an dessen Seite sich eine hübsche Beule blähte, nur um zischend die Hand wieder wegzuziehen.
»Fass es lieber nicht an. Das könnte wehtun.«
»Meinst du, ja?«, krächzte der Kerl – Cian? – und blinzelte. Der Dialekt war nicht britisch. Irisch vielleicht? »Oh Gott. Ich sehe Hühner. Ich glaube, ich sollte ins Krankenhaus.«
»Wie viele Hühner siehst du? Wenn es eins ist, mach dir keine Sorgen. Das ist echt.«
Cian blinzelte irritiert, als versuche er noch immer, seine Umgebung scharf zu stellen. Schließlich fragte er nüchtern: »Hat es mir aufs Bein gekackt?«
»Na ja, ich war es nicht.« Hailey lachte nervös. Der Mann nicht. Mist. Abwehrend hob sie die freie Hand. »Entschuldigung, sie kann überraschend gut zielen. Aber es heißt, dass sie dich mag.«
Ihr Opfer zog zweifelnd die Augenbrauen zusammen.
Ja, okay, schön. Sie war sich dessen auch nicht sicher! Sie kannte das Huhn noch nicht allzu gut.
»Alles okay, Cian?« Die Kellnerin kehrte zurück, ein Glas Wasser in der Hand. »Bist du gestürzt und hast dir den Kopf am Boden aufgeschlagen?«
»Nein, nein, hat er nicht! Ich hab versucht, ihn aufzufangen.«
Cian und Tara wandten sich fragend ihr zu. »Und?«, wollte er schließlich wissen.
Hailey zog eine Grimasse. »Ich bin schwach. Du muskulös. Es war keine gute Kombi.«
Ein Telefon klingelte im Inneren der Bar, die tagsüber offenbar auch als Café herhielt, und Tara wandte sich unschlüssig um. »Soll ich lieber einen Krankenwagen rufen?«
»Auf gar keinen Fall«, stieß Cian aus. »Mir geht es blendend.«
Tara seufzte. »Bleib noch etwas sitzen und trink das. Ich muss da drangehen.«
Sie drückte ihm das Glas Wasser in die Hand und hetzte zurück in den Innenbereich, während Cian den Nacken kreiste und daran nippte.
»Was ist passiert?«, verlangte er zu wissen. Seine Stimme klang autoritär, als wäre er es gewöhnt, Leute herumzukommandieren.
Normalerweise reagierte Hailey überhaupt nicht gut auf Befehle außerhalb des Schlafzimmers. Unter anderem deshalb hatte sie so oft ihre Pflegefamilien wechseln müssen. Sie hatte auf die harte Tour gelernt, dass sie sich am besten auf sich selbst verlassen konnte, da fiel es ihr schwer, Anweisungen anderer allzu ernst zu nehmen.
Doch in diesem Fall schuldete sie dem Anzugträger wohl eine Erklärung. Ihre Wangen fingen Feuer. »Ähm. Du bist gegen ein Brett gerannt.«
Misstrauisch musterte er sie. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass du das Brett geschwungen hast.«
Schade, er hatte seine Erinnerung also doch nicht verloren. »Ich bin leider sehr viel schlechter im Zielen als mein Huhn. Ich habe andere Talente.«
»Ach ja?«, fragte er trocken und rieb sich die Augen. »Die da wären?«
Oh, das war einfach. Sie hatte sie heute Morgen noch der nigelnagelneuen Website von Match Me! hinzugefügt. »Nun, ich könnte dein Bankkonto hacken und mir all dein Geld überweisen. Deinem Anzug nach zu urteilen, lohnt sich das. Oder aber ich programmiere eine App, die alle meine Spamanrufe direkt an dein Handy weiterleitet.« Sie richtete sich auf, denn ihre Knie protestierten gegen die Hocke. »Außerdem könnte ich eine Ziege dazu abrichten, jeden Tag vor deine Tür zu kacken, sollte ich herausfinden, dass du ein schlechter Mensch bist. Ich hab einen sehr guten Draht zu Tieren.«
Cian betrachtete sie mit zusammengepressten Lippen. »Wieso bekomme ich auf einmal das Gefühl, dass ich froh darüber sein sollte, dass du mich nur mit einem Stück Holz umgehauen hast?«
Sie grinste und streckte ihm die Hand entgegen. »Keine Sorge, ich benutze meine Fähigkeiten fürs Gute. Zurzeit dafür, zwei verlorene Seelen zueinander zu führen und für immer glücklich zu machen.«
»Was?« Er ergriff ihre Finger und ließ sich aufhelfen. Seine Hand war warm und rau und brachte ihre zum Kribbeln. Das hatte sie davon, dass sie seit zwei Jahren keinen Sex mehr gehabt hatte. Jede Berührung von einem halbwegs attraktiven Kerl fühlte sich plötzlich erotisch an.
»Ich arbeite für Match Me!. Die neue Partneragentur nebenan?« Sie deutete mit dem Daumen über die Schulter, während Cian sich aufrichtete und … Oh wow, der Kerl war groß. Er überragte sie um einen ganzen Kopf.
»Partneragentur?«
»Wir sind erst vor ein paar Tagen eingezogen. Wir versprechen Menschen, ihre wahre Liebe zu finden.«
Cian starrte sie kurz an, dann lachte er leise. »Eine Partneragentur. Oh, das ist großartig. Ich freu mich so sehr darauf, Connor davon zu erzählen. Er wird entzückt sein.«
»Wer ist Connor?«
»Der Anwalt, mit dem ich meine Kanzlei führe. Wir sind ebenfalls nebenan. O’Leary & Stone?«
»Oh, wir sind Nachbarn! Ihr seid die Scheidungsanwälte!« Maddie hatte sich darüber gefreut, weil sie hoffte, durch sie ein paar unglückliche, geschiedene Kunden zu generieren.
»Jap.« Cian lächelte schief, sodass seine blauen Augen funkelten, und Haileys Magen schlingerte. »Und Connor hält in etwa so viel von Partneragenturen wie von Monogamie und Astrologie, also … Ich warne euch besser vorab: Er schreit gern. Oropax wären eine Investition wert.«
Sie prustete. »Das ist gut zu wissen. Bist du Stone oder O’Leary?«
»O’Leary. Bist du Partner oder Agentur?«
»Du kannst mich Hailey nennen.«
»Oh nein. Ich denke, ich nenne dich lieber gemeingefährlich. Das letzte Mal, dass mich jemand so gezielt umgehauen hat, war beim Rugby in der fünften Klasse.«
»Rugby?«
»Ist dir noch nicht aufgefallen, dass ich ein irisches Klischee bin?«
Sie kämpfte gegen ein Lächeln an. »Du trägst kein Grün. Ich hätte es nicht wissen können. Aber ich liebe Irland, ihr habt die schönsten Schafe.«
Er grinste und stellte sein Wasserglas ab. »Das ist es, was du mit Irland verbindest?«
»Na ja, nein. Jetzt gibt es ja noch dich.« Sie strich sich die Haare hinter die Ohren. »Und sag mal, der andere Anwalt findet Partneragenturen zwar schrecklich, aber was ist die Meinung eines irischen Klischees?«
Cian schürzte die Lippen und dachte einige Sekunden lang über die Frage nach. Schließlich verkündete er: »Ich halte sie für sehr sinnvoll für eine Menge Menschen und eine gute Idee, solange mich niemand dazu zwingt, mich dort anzumelden.«
»Das heißt, du hättest nichts dagegen, uns an ein paar eurer Kunden zu empfehlen?«, fragte sie hoffnungsvoll. »Wir stehen gerade erst am Anfang und könnten die Hilfe gebrauchen.«
Cian legte den Kopf in den Nacken und lachte laut. »Keine Chance. Connor würde mich umbringen. Und nur so als Tipp: Wenn du jemanden um einen Gefallen bitten willst, schlag ihn vorher lieber nicht ohnmächtig.«
»Es war ein Versehen«, sagte sie verärgert. »Und du hättest ruhig mal ausweichen können.«
»Ah ja. Klar.« Er verschränkte die Arme vorm Körper. »Völlig meine Schuld. Wofür brauchst du die Bretter überhaupt?«
»Ich will einen Stall für mein neues Huhn bauen, und Tara meinte, sie hätten Holz über.«
»Du wohnst in der Nähe?«, schlussfolgerte er.
»Ich miete ein Tiny House beim Campingplatz am Strand.« Kurzer Arbeitsweg, Sicht aufs Meer und den Sunshine Pier. Wundervolle Sonnenuntergänge und eine Menge muskulöse Kerle auf dem Weg zum Muscle Beach. Was wollte man mehr? »Es ist der schönste Ort, an dem ich je gelebt habe. Und das will was heißen.«
Der Anwalt scannte sie neugierig. Als wäre sie eine Liste besonders aufregender Paragrafen. »An wie vielen Orten hast du schon gelebt?«
»Ich hab nach zwanzig aufgehört zu zählen.« Sie winkte ab. »Ich bin eine kleine Nomadin und wohne selten länger als ein Jahr in derselben Wohnung.«
Auch wenn es oft nicht ihre Schuld gewesen war. Ihre Pflegefamilien hatten meistens innerhalb von zwölf Monaten einen Grund gefunden, sie weiterzuschicken. Nur während der kurzen Zeit im Studium, als sie geglaubt hatte, ein Zuhause gefunden zu haben, hatte sie sich kaum vom Fleck bewegt. Doch sie hatte sich geirrt. Wenn sie darüber nachdachte, dann war ihre beste Freundin Maddie womöglich der einzige Mensch auf dieser Welt, den sie als Zuhause bezeichnen würde. Denn sie war geblieben. Immer.
Sie räusperte sich. »Aber hey, ich drücke mir selbst die Daumen. Ich mag es hier. An wie vielen Orten hast du schon gelebt?«
»Ich hab bei fünfzig aufgehört zu zählen.«
Sie prustete. Er machte einen Scherz, oder?
Cian lächelte uneindeutig und schaute auf den Tisch neben ihr. »Da sitzt eine Schildkröte in deinem Salat.«
»Das ist Sancho Panzer.«
»Ah ja. Ich frag einfach nicht.«
»Er kam zusammen mit dem Huhn. Ich hab ihnen beiden das Leben gerettet.«
»Warum? Hat sie jemand mit einem Stück Holz verdroschen?«
Sie biss sich auf die Unterlippe. »Nein. Aber sag mal, du willst nicht zufällig eine Schildkröte und ein Huhn adoptieren?«
»Nope.«
»Sie sind stubenrein!«
Cian sah an seinem Hosenbein hinab, an dem immer noch Hühnerkacke klebte.
»Na ja, so gut wie. Und sie brauchen ein Zuhause.«
»Und ich eine Aspirin.«
Hailey öffnete den Mund, um die Aspirin in ihrer Handtasche gegen ein Zuhause für Schildkröte und Huhn einzutauschen, doch sie kam nicht dazu, denn ein rothaariges Mädchen trat auf die Terrasse und fixierte Cian.
»Dad, ich hab meinen Schlüssel vergessen und komm nicht ins Haus. Connor meinte, du machst hier immer noch Mittagspause – er hat gesagt, du bist voll der faule Leprechaun! – und … Oh mein Gott, ist das ein Huhn? Ich liebe Hühner. Sie sehen aus wie Dinosaurier!« Das Mädchen quietschte laut und beugte sich zu der Henne hinunter, die es interessiert musterte.
Hailey betrachtete den Neuankömmling mit großen Augen. Hatte das Mädchen gerade Dad gesagt? Es war mindestens zehn Jahre alt, und wenn Cian sein Vater war …
»Ich war einundzwanzig«, beantwortete er ihre ungestellte Frage belustigt, bevor er lauter hinzufügte: »Ada, das ist Hailey, die Besitzerin des Huhns. Hailey, das ist meine Tochter Ada, die ihren Schlüssel heute Morgen auf dem Tisch hat liegen lassen. Zum dritten Mal diese Woche. Ich sollte ihn ihr an die Ohren tackern.« Er zog ein Paar aus seiner Tasche und steckte es ins Seitenfach von Adas Rucksack. Sie war zu beschäftigt damit, Bok-Geräusche zu machen und mit dem Huhn zu kommunizieren, um es entgegenzunehmen.
»Du hast gesagt, ich darf mich erst mit sechzehn piercen lassen. Das sind also leere Drohungen«, bemerkte seine Tochter unbeeindruckt. »Und wie kommt man an ein Huhn?« Strahlend sah sie zu Hailey hoch. »Und wie süß ist die Leine? Ich wusste nicht, dass man mit Hühnern spazieren gehen kann.«
Ach, man konnte mit jedem Tier spazieren gehen, wenn einem egal genug war, was andere Leute von einem hielten. Auch wenn die Boa eine Herausforderung gewesen war … »Ich bin mit einem Tierarzt befreundet, der mir Bescheid sagt, wenn er von Tieren hört, die eingeschläfert oder geschlachtet werden sollen, nur weil sie zu alt sind oder nicht mehr gebraucht werden.«
Adas Augen füllten sich augenblicklich mit Tränen, und Hailey spürte eine sofortige tiefe Verbindung zu diesem jungen Mädchen. Sie war in ihrem Alter exakt genauso gewesen. Sie hatte angefangen zu schluchzen, wann immer sie eine erschöpfte Biene am Straßenrand gefunden hatte. »Ich will Tierärztin werden!«, verriet Ada ihr. »Und das hört sich voll traurig an. Dad! Warum rettest du nicht mehr Tiere?«
Cian kniff sich mit Daumen und Zeigefinger in den Nasenrücken, und Hailey hätte ja Mitleid mit ihm gehabt, läge kein klares Ziel vor ihren Augen. »Ich bin zu beschäftigt damit, dir hinterherzurennen und dich herumzukutschieren.«
Ada verdrehte die Augen. »Ich will seit Jahren einen Hund, doch Dad meint, das wäre zu viel Verantwortung und er hätte keine Zeit, sich um ihn zu kümmern. Dabei würde ich mich um ihn kümmern. Und wenn ich keinen Hund haben kann, dann will ich wenigstens andere Tiere retten!«
»Nun, du hast Glück«, sagte Hailey entzückt. »Zufällig hab ich eine Schildkröte dabei, die ein neues Zuhause sucht …«
»Nein!«, bellte Cian.
»Wirklich?«, rief Ada. »Wo?«
»Hier.« Sie nahm den Teller vom Tisch, auf dem sie die Schildkröte auf ein paar Salatblätter gebettet hatte. »Das ist Sancho Panzer.«
»Oh mein Gott, er hat nur drei Beine!«
»Ada.« Cian klang ungeduldig. »Du wolltest nach Hause gehen. Du hast doch sicherlich noch Hausaufgaben …«
»Er ist eine tapfere Schildkröte«, unterbrach Hailey ihn ungeniert. »Er hat das Bein in einem Kampf um Leben und Tod mit einem Hund verloren … und ich würde ihn dir schenken! Du würdest ihm sicherlich die Liebe entgegenbringen, die er verdient.«
Ada machte große Augen. »Wirklich? Du verschenkst ihn? Er hätte so viel Spaß mit mir!«
»Was passiert hier?«, fragte Cian alarmiert.
»Dann gehört er dir«, sagte Hailey glücklich.
»Nein, tut er nicht!«
»Dad!« Vorwurfsvoll sah Ada zu ihrem Vater. »Wir können nicht Nein zu einer kostenlosen Schildkröte sagen!«
»Natürlich können wir das.«
»Sie ist einsam. Sie braucht mich.«
»Ada …«
»Darf ich dir etwas empfehlen, Ada?« Hailey lächelte breit. »Wenn du mit der Schildkröte im Arm wegläufst, kann dein Vater sie dir nicht mehr wegnehmen. Dann gehört sie dir, und es wäre Diebstahl, wenn er sie auch nur anfasst.«
Ada grinste sie breit an. »Du bist sehr klug.« Im nächsten Moment schnappte sie sich den Teller, rannte ins Restaurant und verschwand.
Ungläubig klappte Cian die Kinnlade herunter. »Nicht dein Ernst.«
Hailey legte sich eine Hand auf die Brust. »Was denn?«
»Erstens: Dein Verständnis des amerikanischen Rechts ist besorgniserregend. Zweitens: Du kannst meiner Tochter nicht einfach eine Schildkröte andrehen!«
»Ich denke, du meinst: Ich sollte nicht. Denn ich kann. Ich hab es gerade bewiesen.«
Der Ire raufte sich die Haare. »Was zur Hölle?!«
»Solltest du mit einer Tochter nicht mehr auf deine Sprache achten?«
»Ich sehe Ada gerade nicht. Denn sie flieht mit deiner Schildkröte!« Sein Arm schwang ungehalten in Richtung Café-Eingang.
»Sie kann sehr schnell rennen. Beeindruckend.« Hailey nickte anerkennend. »Und weißt du, was ich glaube? Du regst dich jetzt gerade über mich auf, aber heute Abend, wenn du siehst, wie glücklich deine Tochter mit ihrem neuen Haustier ist, wirst du genauso glücklich sein und mir eine Dankeskarte schicken.«
»Das Einzige, was ich tun werde, ist, dir Sancho Panzer zurückzubringen!«
Sie grinste breit. »Das glaube ich nicht. Cian, du kennst mich noch nicht sonderlich gut, aber ich verrate dir ein Geheimnis. Ich bin Programmiererin und Menschen sind wie Computer: sehr leicht durchschaubar. Die Schwachstelle deiner Tochter sind offensichtlich heimatlose Tiere. Und deine Schwachstelle ist deine Tochter. Auf diesem Weg ist eine dreibeinige Schildkröte in deinem Besitz geendet. Sorry, ich kenne dich seit zehn Minuten und Sancho Panzer seit heute Morgen, somit habe ich sein Wohlergehen über deines gestellt. Aber keine Sorge, Sancho ist eine Landschildkröte, du musst sie nur jeden oder auch jeden zweiten Tag füttern. Sie ist pflegeleicht. Die Futtermenge sollte der Kopfgröße der Schildkröte entsprechen. Ich kann dir eine Liste zusammenstellen, ich kenne mich aus. Ach, und am besten gehst du mit ihr noch einmal zum Tierarzt, um …«
»Wir werden sie nicht behalten!«, unterbrach Cian sie ungläubig.
»Okay, klar.« Sie wiegte den Kopf von der einen auf die andere Seite. »Dann gebe ich dir die Liste morgen, wenn du deine neue Realität akzeptiert hast.«
»Oh, großer Gott.« Er rieb sich mit beiden Händen übers Gesicht. »Ich bekomme Kopfschmerzen. Und sie stammen nicht von deinem Brett!«
Sie verkniff sich ein Lachen. »Sorry, dass ich dich umgehauen habe.«
Cian atmete tief und lang ein und aus. »Ich werd’s überleben.«
»Ich hoffe auch. Aber wenn nicht: Im Falle deines Todes nehme ich Sancho Panzer natürlich zurück in meine Obhut.«
»Damit Ada ihren Vater und ihre Schildkröte verliert? Ich glaube kaum.«
Sie lachte laut – und Cian lächelte ebenfalls. Er war charmant. Das musste sie ihm lassen. Definitiv nicht ihr Typ, dazu war er zu hübsch und hübsche Männer blieben nicht, aber witzig.
»Das war ein Scherz, okay? Du wirst deine Schildkröte zurückbekommen, Hailey.«
»Gucken wir einfach mal.«
»Du wirst sie zurückbekommen.«
»Mhm. Klar. Okay, ich denke, ich gehe mal. Der Unterstand für mein Huhn baut sich nicht von allein, also …« Sie machte Anstalten, sich nach den Brettern zu bücken, doch Cian kam ihr zuvor. Er schulterte sie, bevor ihre Finger das Holz streifen konnten, bevor er schroff verlangte: »Zeig mir, wo du wohnst.«
»Oh, du musst mir nicht helfen. Ich kann sie auch selbst …«
»Ich denke, du hast bewiesen, dass du sie nichtselbst tragen kannst. Also, kümmere dich um dein Huhn, lass mich das Holz für dich schleppen und versprich mir einfach, keine Spamanrufe an mein Handy weiterzuleiten.«
Sie grinste. »Deal. Und hey, wenn du es dir mit der Partneragentur anders überlegst, ich würde dir kostenlos einen Account anlegen. Du könntest schon in wenigen Monaten mit deiner Traumfrau verheiratet sein, die sich dann um die Schildkröte kümmern kann!«
Er schnaubte. »Ich werde es mir nicht anders überlegen. Denn ich werde niemals heiraten.«
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