„Das ist nicht dein Drink.“
Penny sah erschrocken auf, verschluckte sich an dem – fremden – Gin Tonic und spuckte den Rest zurück in das hohe Glas. „Oh, Shit“, hustete sie, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und sah sich in ihrem Wohnzimmer um, um sicherzugehen, dass es niemand anderes mitbekommen hatte. Doch die Eishockeyspieler, die bereits da waren, lungerten allesamt in ihrer offenen Küche herum, mixten sich Drinks und stritten um die Macht über die Musik. Gerade lag sie nämlich bei dem soeben eingetroffenen Coach Gray, der eine intensive Taylor Swift-Phase zu haben schien.
„Ist es deiner?“, fragte sie hoffnungsvoll und sah zu Jack auf.
Er grinste. „Nope. Ich weiß es besser, als meine Drinks in deiner Gegenwart unbeaufsichtigt zu lassen.“
Ihre Wangen wurden warm. „Wem gehört er dann?“ Hastig stellte sie ihn zurück auf den Couchtisch.
„Ich glaub, Leon.“
„Mhm.“ Sie kniff die Augen zusammen. „Na ja, technisch gesehen ist es meine Einweihungsparty und ich habe all den Alkohol gekauft. Sollten da nicht alle Drinks meine Drinks sein?“
Jack lachte leise. „Kann ich dabei sein, wenn du das Leon genau so erklärst?“
Stöhnend legte sie den Kopf in den Nacken. „Ich hab allen gesagt, dass sie einen Post-it-Zettel auf ihre Gläser kleben sollen. Niemand hat das bis jetzt gemacht.“
„Jetzt wälz das nicht auf uns ab!“, sagte Jack kopfschüttelnd und legte die Hand in ihren Nacken. Die Wärme seiner Berührung kletterte sofort ihre Wirbelsäule hinab und rief einen wohligen Schauer hervor. Gott, sie käme damit klar, wenn Jack sie einfach für den Rest ihres Lebens berührte. Mindestens eine Hand zu jeder Zeit auf ihren Körper legte. Sie fand, das war ein fairer Deal.
„Weißt du“, murmelte er nah an ihrem Ohr und küsste sie sacht dahinter. „Du musst es dir einfach nur wirklich abgewöhnen, das Getränk zurückzuspucken. Es macht die Situation nicht besser.“
„Es ist ein Reflex!“
„Ich weiß nicht, ob ich es gutheißen kann, dass du reflexartig deinen Speichel mit Leon teilst.“
Sie musste lachen und machte eine wegwerfende Bewegung. „Ich könnte es schlechter treffen … er ist irgendwie süß, oder?“
Jack stöhnte. „Das nimmst du zurück.“
Ihr Lachen wurde lauter. „Nein. Wenn er mal gerade kein Arschloch ist, ist er wirklich lieb. Und ich sag ihm gleich, dass ich aus seinem Drink …“
„Ey, Leute.“ Leon trat ins Zimmer. „Guckt mal, was ich gefunden habe!“
Oder sie sagte es ihm nicht.
Blut schoss in ihren Kopf und ließ ihre Wangen aufflammen. Wie zwei Ölfässer, die sich verliebt hatten und bei denen der Funke übergesprungen war. „Oh Gott, nein.“ Eilig lief sie nach vorn … doch alle hatten sich bereits zu Leon umgedreht. Der ihren wundervollen Alpaka-Pyjama über Jeans und T-Shirt gezogen hatte. Mitsamt Kapuze und Flauschohren.
Ja, sie hatte das Team besser kennenlernen wollen, aber nicht so gut.
„Oh, das ist voll süß“, meinte Matt. „Ich will auch einen Kamel-Schlafanzug!“
„Es ist ein Alpaka“, korrigierte sie verärgert und drängte sich an ihm vorbei.
„Ah, das sind die mit nur ein Höcker?“, fragte Charkov mit seinem schweren russischen Akzent.
„Oh, Charkov.“ Kopfschüttelnd sah Lucy ihn an. „Das sind Dromedare. Alpakas sind andere Tiere.“
Er zuckte die Achseln. „Sehen gleich aus.“
„Sie gehören auch einer Familie an“, gab Penny widerwillig zu.
„Siehst du?“ Charkov nickte. „Geschwister.“
Lucy schnaubte … und Jack knurrte leicht.
„Leon, warum zur Hölle trägst du den Schlafanzug meiner Freundin?“, wollte er schroff wissen.
Der Center grinste unverschämt. „Ich hatte gehofft, dass du fragst. Weil es witzig ist.“
„Oh Mann, er steht ihm auch noch besser, oder?“, stellte Penny seufzend fest. „Ich sehe nicht so süß aus wie er in dem Schlafanzug.“
„Und du wirst ihn verbrennen müssen, weil ich jetzt nur noch Leon vor mir sehen werde, wenn du ihn trägst“, bemerkte Jack griesgrämig.
„Vielen Dank.“ Leon verbeugte sich albern. „Er ist auch echt bequem, er … ey, Lucy! Hör auf, Fotos zu machen.“
„Oh, die Welt wird das sehen wollen“, erwiderte sie unschuldig und hob ihr Handy höher. „Und Leslie wird sich freuen, dass du ausnahmsweise mal viele Clicks wegen einem Tierpyjama – nicht wegen eines flotten Dreiers bekommst.“
Leon grinste. „Meine Dreier sind nie flott. Ich lass mir gern Zeit.“
Leise seufzend kratzte Penny sich den Kopf. „Leon, warum gehst du überhaupt ins Schlafzimmer?“
„Na, da sind all die interessanten Dinge versteckt!“, erwiderte er irritiert. „Obwohl deins echt langweilig ist, Boss. Ich hab keine Peitschen, keine Handschellen und auch keine Dildos gefunden. Ich bin enttäuscht.“
„Wehe, du sagst ihm jetzt noch, dass du in seinen Drink gespuckt hast“, murmelte Jack kaum hörbar.
„Oh, niemals. Vielleicht spuck ich noch ein zweites Mal rein.“
Die Wohnungstür ging auf und lenkte sie alle ab.
„Wo kommt er Beerpongtisch hin?“, wollte Fox wissen und steckte den Kopf in die Küche.
„Der Beerpong … was?“ Penny weitete die Augen. Der lange Tisch, den zwei der Rookies hinter Fox hertrugen, war definitiv ein Paket, das sie nicht bestellt hatte!
„Wir spielen kein Beerpong!“, sagte sie ungläubig. „Wir sind erwachsen, keine Teenager. Das hier ist ein nettes, professionelles Umfeld. Keine College-Party.“
Jack grinste und legte einen Arm um ihre Schultern. „Klar. Wenn du das sagst.“
„Okay, ihr alle kennt die Regeln von Beerpong. Zwei Teams. Jeder Becher, der getroffen wird, muss ausgetrunken werden“, erklärte Fox laut.
Ja, Penny war schwach, das war ihr völlig klar. Doch sie mochte es, ein Dutzend Hockeyspieler glücklich zu machen. Nur deswegen stand sie jetzt mit Jack auf der einen Seite des Beerpongtisches, der ihren gesamten Flur einnahm, und hatte einen Tischtennisball in der Hand. Außerdem war es ihr Eishockeyteam. War es dann nicht irgendwie ihre Aufgabe, das zu tun, was sie grinsen ließ wie kleine Schuljungen?
Gott sei Dank war Gareth nicht hier. Denn sie vermutete, dass ihr Bruder einen etwas anderen Managementstil an den Tag legen würde. Und Leon sollte wirklich endlich die Alpaka-Ohren ausziehen.
„Diese Regeln sind sehr langweilig“, informierte Matt sie sachlich. „Ich finde, es muss mehr getan werden als nur getrunken.“
„Oh, klingt gut. Was schlägst du vor?“, wollte Fox wissen.
„Das gesamte Team muss für jeden getroffenen Ball trinken – und eine unangenehme Frage des gegnerischen Teams ehrlich beantworten?“, meinte Anna unschuldig und klimperte ihrem Bruder mit den Wimpern zu.
Jack blickte düster zurück – und sah sehr alarmiert aus. „Das halte ich für eine dumme Idee.“
„Ich find‘s super“, widersprach Penny leichthin.
„Der Boss hat gesprochen!”, rief Leon. „Los geht es.“
Jack kniff sie in die Seite. „Kleine Verräterin.“
„Na, ich will noch mehr peinliche Dinge über dich herausfinden“, erklärte sie unschuldig und drückte seine Hand. „Wer weiß, was du mir noch vorenthältst? Und Annas Lächeln suggeriert, dass es eine Menge ist.“
Jack stöhnte nur, während Leon das Spiel anpfiff. Er mimte den Schiedsrichter, während Jack, Fox und sie gegen Charkov, Matt und Anna antraten.
Leider hatte Penny unterschätzt, wie zielsicher Eishockeyspieler und offenbar auch Medizinstudentinnen waren. Denn sowohl Matt als auch Anna trafen.
„Oh, das bedeutet zwei Fragen für uns!“ Matt rieb die Hände aneinander, während Jack und Fox schonmal pflichtbewusst das Bier tranken.
„Ich weiß“, rief Anna sofort. „Was ist euer Lieblingsfilm?“
Irritiert sah Matt sie an. „Unangenehm! Die Fragen sollten unangenehm sein.“
Sie grinste. „Warte mal ab. Los, Jack: Was ist dein Lieblingsfilm?“
Verwundert sah Penny über ihre Schulter – und bemerkte, dass Jack die Lippen zusammengepresst hatte und seine Schwester genervt ansah.
„Oh, das muss ich hören“, sagte sie begeistert. „Was ist dein Lieblingsfilm, Jack?“
„Es ist Ein Schweinchen namens Babe, okay?“, murmelte er und kratzte sich unangenehm berührt den Nacken.
Fox und ungefähr jeder andere Hockeyspieler lachte, doch Penny lächelte nur und legte fest den Arm um ihn. „Ich liebe Babe! Definitiv in meinen Top 10.“ Und sie verstand ihn. Es ging um ein Tier, das seine Mutter verlor und Familie suchte. Natürlich liebte Jack den Film. „Obwohl nichts Die Wüste lebt schlägt!“
„Warum schlagt ihr nur so unfassbar alte Filme vor?“, fragte Fox kopfschüttelnd. „Der beste Film ist …“
„Okay, Jack war cool, Fox, dein Lieblingsfilm interessiert uns nicht“, beschloss Leon. „Weiterspielen.“
Fox seufzte schwer, nickte jedoch, warf seinen Ball … und traf. Penny und Jack verfehlten beide, aber es war schwierig zu zielen, wenn man Händchen hielt. Es war albern. Sie waren keine Teenager. Das hatte sie heute doch schon festgestellt. Aber … loslassen wollte sie ihn auch nicht. Sie hatte genug Zeit damit verbracht, ihn von sich zu schieben. Jetzt wollte sie nichts anderes mehr tun, als ihn näherzuziehen.
„So …“, meinte Fox grinsend. „Ich hab getroffen, ich such mir eine Frage aus: Was war der verrückteste Ort, an dem ihr Sex hattet?“
Jack stöhnte laut. „Fox! Das ist meine Schwester da in dem anderen Team!“
Anna verdrehte die Augen. „Die schon Sex hatte, Jack. Und zwar in einer Hotelgarderobe.“
Leon pfiff durch die Zähne. Jack presste sich eine Hand aufs Ohr und sang: „Lalalala.“ Mit der anderen hielt er noch immer Pennys Hand.
„Ich in Iglu“, meldete sich Charkov zu Wort.
Fox runzelte die Stirn. „War das nicht kalt?“
„Hab warm gemacht.“ Er lächelte … und zeigte seine Zahnlücke, die er sich vor drei Tagen auf dem Spielfeld zugezogen hatte.
„Was ist mit dir, Matt?“, wollte Penny lachend wissen.
„Ähm … im Flur meiner Eltern? Während meine Mutter praktisch auf der Treppe stand? Oh, Shit. Bitte sagt Maddie nicht, dass ich das verraten habe.“
Penny lachte. „Ach, halb so wild. Ich wurde von meiner Mutter mal in unserem Baumhaus erwischt, während ich … überhaupt nicht Mathe gelernt habe.“
„Was?“ Jack sah stirnrunzelnd zu ihr hinunter. „Aber wir hatten keinen Sex im Baumhaus.“
„Ich weiß“, murmelte sie. „Das warst auch nicht du.“
Er zog die Augenbrauen zusammen. Er schien mit der Aussage nicht zufrieden. „Das finde ich nicht okay“, erwiderte er und verschränkte die Finger mit ihren. „Ich sollte der Kerl sein, mit dem du Sex am verrücktesten Ort hattest.“
Ihre Mundwinkel taten weh, so breit war ihr Lächeln. „Es ist kein Wettbewerb.“
„Ich weiß … aber ich sollte gewinnen.“
„Du hast schon mich gewonnen“, wisperte sie und küsste ihn sacht. Liebte die Wärme, die Vertrautheit und die Herausforderung in seinem Blick. Der Blick, der ihr versprach, dass Jack alles geben würde, um jeden Tag aufs Neue mit ihr zu gewinnen. Den Rest ihres Lebens. „Aber wenn du darauf bestehst, fällt uns bestimmt noch was ein …“
„Ich habe eine Menge Ideen, keine Sorge“, versicherte er ihr ernst.
Oh, sie baute darauf.
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