Love in Alaska: Coming Home for my Best Friend’s Sister
Prolog
Carver
Wish I didn’t, but I do;
remember every smile, every moment with you.
“You” by Falling from Grace
»Du weißt, dass das hier absolut unnötig ist, oder?«
»Das sehe ich anders.«
»Ich hätte den Bus nehmen können. Ich nehme immer den Bus.«
»Busse sind scheiße.«
Dramatisch sog Aimee die Luft ein. »Carver! Sprich leiser! Was, wenn sie dich hören?«
»Dann erzähle ich ihnen nichts, was sie nicht schon wüssten«, meinte ich und ignorierte, dass sich meine Nackenhaare aufstellten. Nur weil sie meinen verdammten Namen benutzte. Ich bog auf die dunkle Landstraße zu dem abgelegenen Wohnpark ab und fuhr an der Busstation vorbei, an der Aimee normalerweise nach der Abendschicht im Kino ausstieg. Die Busstation, von der aus sie dreihundert Meter allein durch den finstersten aller finsteren Wälder laufen müsste, um zu der Winzwohnung zu gelangen, die Familie Hunt ihr Zuhause nannte.
Aimee lachte leise. »Gibson hat dich darum gebeten, mich abzuholen, oder?«
»Jap.« Aber das war wirklich nicht der Grund, aus dem ich gerade mit ihr im Auto saß. Es war nur die Ausrede, die ich benutzte.
»Danke. Das ist … sehr lieb. Dass du meinem Bruder den Gefallen tust, mich vor dem bösen, brutalen Bus zu beschützen.« Sie friemelte an ihrem Rocksaum herum. Wie immer, wenn sie nervös war. Zum Glück musste ich mich auf die Straße konzentrieren, sodass meine Blicke nicht wanderten. Es war seit zwei Jahren ein Manifest an meine Selbstkontrolle, dass ich Aimee fast ausschließlich ins Gesicht sah. Und selbst dabei hatte ich Angst, dass Gibson und der Rest der Welt mir meine Gedanken von den Augen ablesen konnten. Aimee tat es schon längst.
Ich warf ihr einen Seitenblick zu und sie sah nicht schnell genug weg. Sie beobachtete mich. Wie immer, wenn sie dachte, ich bemerke es nicht. So wie ich sie anstarrte, wenn ich glaubte, ich könne damit durchkommen.
Fuck. Warum tat ich es mir an, mich zu zweit mit ihr in ein Auto zu quetschen? Nur, weil ich es liebte, wenn ihr Geruch in meinen Sitzen hing. Weil wir ein paar Minuten so tun konnten, als wären wir zwei völlig andere Menschen.
Es war zu nah. Zu viel. Jedes Mal.
Gott, ich armseliger Schwachkopf.
Hastig streckte ich die Finger zum Radio aus, um die zu schwere Stille zwischen uns zu füllen. Doch Aimee hatte offenbar dieselbe Idee, denn unsere Finger streiften sich. Hitze sprang auf meine Kuppen, kletterte in Form von Blitzen meinen Arm hinauf … und eilig zog ich die Hand wieder zurück.
»Such du den Sender aus«, sagte ich und räusperte mich. Mein Hals fühlte sich unangenehm eng an.
»Okay«, erwiderte sie, ihre Stimme eine Spur zu fröhlich. Vielleicht könnte ich die gleiche Gänsehaut auf ihren Armen sehen, die sich auf meinen ausbreitete, wenn ich mir erlauben würde, den Kopf zu wenden.
Aber wir hatten Grenzen. Regeln. Wir hatten sie nie aufgeschrieben, aber es gab sie. Sie erinnerten mich daran, was ich zu verlieren hatte. Dass ich nicht anfangen würde, was nur katastrophal enden konnte.
Ein Lied von P!nk drang aus den Lautsprechern und Aimee gab ein leises Seufzen von sich, das schwächere Männer zu einem Autounfall verleitet hätte. »Ich liebe es, Radio zu hören, weißt du?«
Natürlich wusste ich das. Weil man mit jedem Lied überrascht wurde. Mit jedem Lied eine neue Chance auf einen Lieblingssong bekam. Und Chancen für Aimee so verdammt wichtig waren.
»Jedes Lied ist eine neue Überraschung und eine neue Chance«, sprach sie meine Gedanken aus und sah aus dem Fenster. »Ich freu mich schon drauf, irgendwann euch im Radio zu hören, sodass ich rufen kann: Hey! Das Lied hat mein Bruder geschrieben, zusammen mit dem Typen, der Busse richtig scheiße findet!«
Ein Lächeln zog an meinen Lippen. »Ich hoffe doch sehr, dass ich nicht auf meine Meinung zu Bussen reduziert werde, wenn ich demnächst berühmt bin«, stellte ich fest und hielt am Eingang zum Wohnpark.
Theatralisch sog Aimee die Luft ein. »Nein, du hast recht. Sie werden dich darauf reduzieren, dass du heiß bist.«
Mein Magen zog sich zusammen. »Heiß?«, fragte ich unschuldig, wusste, dass wir auf einem dünnen Grat balancierten – und konnte mich trotzdem nicht davon abhalten, breit zu grinsen und sie herausfordernd anzusehen. »Du findest mich also heiß?«
Sanfte Röte stieg in Aimees Wangen und sie verdrehte die Augen. »Du brauchst mich wirklich nicht, um dein Ego zu streicheln, Carver. Es ist groß genug.«
Das stimmte. Aber sie war die verdammt Einzige, von der ich es gestreichelt bekommen wollte. Das sagte ich nur nicht. Gott, ich hasste unsere Grenzen, manchmal wollte ich schreien, wenn ich nur an sie dachte. Doch anstatt dem Impuls nachzugeben, zwang ich das Lächeln zurück auf mein Gesicht, bis meine Mundwinkel wehtaten. Mein riesiges falsches Grinsen diente mir immer ausgezeichnet, wenn ich meine eigentlichen Gefühle verbergen wollte. »Ich persönlich würde ja gern für meinen fantastischen Gesang und meine großartigen Texte gefeiert werden.«
»Nun, deine Texte sind großartig«, bestätigte sie und wandte den Blick ab. »Aber so funktioniert die Musikindustrie nicht. Das solltest du wissen, bevor du reich und berühmt wirst. Ich sage voraus, dass es mehr Kommentare und Bilder zu deinem Körper geben wird als zu deiner Musik. Denk an meine Worte, wenn das ganze Internet über deine fantastischen Bauchmuskeln und nicht etwa deine wundervolle Stimme spricht.«
Vielsagend sah sie mich an, bevor sie die Tür aufstieß und ausstieg. Ich lachte leise, während ich ihrem Beispiel folgte.
Aimee wollte nie bis zur Tür vorgefahren werden. Damit die Leute nicht sahen, mit was für einem schicken Auto sie unterwegs war, und dieses Wissen eventuell gegen sie verwendeten. Aber wenn ich sie nach Hause brachte, dann brachte ich sie nach Hause. Nicht an eine dunkle Kreuzung.
Sie seufzte laut, als sie mich bemerkte. »Ich bin siebzehn, also fast erwachsen. Ich finde den Weg auch allein. Es sind nur hundert Meter!«
Ich ignorierte sie und schloss den Wagen ab. Denn es waren hundert Meter in absoluter Dunkelheit.
Wir schlenderten nebeneinander her und ich verschränkte die Arme, damit sich unsere Hände nicht berührten. »Ist dein Dad nicht da?«
»Nee, der wird noch arbeiten. Sein Bein macht ihm im Moment wieder zu schaffen, da braucht er länger als sonst. Und Gibson ist mit irgendeinem Mädchen aus, dessen Namen ich vergessen habe. Es ist schwer, den Überblick zu bewahren.«
Richtig. Deshalb hatte ich sie von der Arbeit abgeholt.
»Also, dann …« Aimee blieb zögerlich vor den Treppen zu ihrer Wohnung stehen und zog langsam ihre Schlüssel aus der Handtasche.
Ich sah ihr ins Gesicht. Damit ich nicht woanders hinsah. Ihre Augen hatten den hellsten Blauton, den ich je gesehen hatte. So hell wie der Winterhimmel über Alaska. Fast weißgemalt von den Lichtreflexionen des Schnees. Ihre Nase zierten Sommersprossen, die sie hasste und die mich nachts in meinen Träumen verfolgten. Sie hatte die Lippen leicht geöffnet. Als läge eine Frage auf ihrer Zunge, die sie stellen wollte …
Ich hob die Augenbrauen. »Was?«
Sie kratzte sich die Wange und verengte die Augen. »Das eine Lächeln vorhin … Es war nicht echt, oder?«
Überrascht öffnete ich den Mund. »Was? Welches Lächeln?«
Sie schnalzte mit der Zunge. »Du weißt, welches ich meine!«
Ja, okay. »Es war echt«, beteuerte ich. Denn was sollte ich auch sagen? Dass ich eigentlich lieber gestöhnt und geschrien hätte, weil ich mich nicht davon abhalten konnte, mir vorzustellen, wie sich ihre nackten Beine unter meinen Händen anfühlen würden?
Fuck, nein.
»Du bist ein lausiger Lügner, Carver. Und nur fürs Protokoll: Ich mag dein falsches Lächeln nicht. Du wirfst zu viel damit um dich. Weißt du, alle in der Schule meinen immer, dass du stets gut gelaunt bist, aber …« Sie drehte den Schlüssel in den Fingern, während ihr Blick langsam zu meinem Gesicht glitt. Jede Einzelheit darin aufzusaugen schien. »… wir beide wissen, dass das nicht stimmt. Ich hab manchmal das Gefühl, dass du … echter bist, wenn wir zusammen sind – und ich will, dass es so bleibt. Also fang nicht an, mir dein falsches Lächeln zu schenken, ja? Nicht mir. Es ist okay, wenn du in meiner Gegenwart der ernste Carver bist.«
Ich schluckte und schob den Daumen durch ein Loch in meinem T-Shirtsaum. Sie hatte recht. Ich war echter, wenn wir zusammen waren. Weil es mich in ihrer Gegenwart zu viel Energie kostete, meine Blicke, meine Gedanken und meine Gefühle zu kontrollieren, um auch noch die Sonne zu spielen. »Ich bin bei dir öfter der ernste Carver, weil du mich an Busse erinnerst«, erklärte ich leichthin. »Und die wirklich meinen Tag versauen.«
Sie lachte, sodass ihre Augen glitzerten … und meine Brust wurde enger. Mein ganzer Körper wurde enger. Als wäre meine Haut eine Nummer zu klein für mich.
Jap, das war mein Zeichen, zu gehen. Einfach zurück zum Auto zu laufen und davonzufahren. Doch ich bewegte mich nicht. Zu Hause warteten nur Gebrüll und knallende Türen auf mich. Und hier …
»Carver?«, flüsterte Aimee noch immer lächelnd.
»Ja?«
»Du willst nicht nach Hause, oder?«
Nein. Trotzdem lächelte ich breit. »Es ist schon okay.«
Sie biss sich auf die Unterlippe und trat zögerlich einen Schritt auf mich zu. »Was hab ich dir zu deinem falschen Lächeln gesagt? Du musst mich nicht anlügen. Ich weiß, du redest mit niemandem gern darüber, aber … mit mir kannst du es. Immer. Das wird sich nie ändern. Egal, was passiert. Also … ist es schlimm im Moment?«
Seufzend rieb ich mir übers Gesicht. Manchmal fühlte es sich an, als würde Aimee meine Gedanken lesen. Als würde sie sich als Einzige nicht von meinem Lächeln blenden lassen. Als wolle sie es von meinem Gesicht zerren, weil sie wirklich wissen wollte, was dahinter lag. Wie unschön es auch war.
»Ziemlich«, gab ich dann leise zu. Weil es keinen Sinn hatte, weiter zu lügen. Weil ich bei ihr nicht lügen wollte. »Sie streiten wegen jedem Staubkorn. Gott, bin ich froh, wenn ich hier raus bin.«
Sie senkte den Blick. »Du hörst dich an wie mein Bruder.«
Ja. Gibson wollte auch nicht bleiben. Doch Aimee …
»Willst du nicht auch weg aus Keetna Creek?«, fragte ich leise.
Sie hob eine Schulter. »Ich kann nicht gehen, Carver. Das weißt du. Ich muss hierbleiben. Auf Dad aufpassen. Gibson wird abhauen und ich will, dass er es tut. Er ist so unfassbar talentiert, aber … jemand muss bleiben.«
»Musst du … oder willst du?«
Sie schluckte. »Das ist ein- und dasselbe für mich.«
»Aimee. Willst du nicht die Welt sehen? Bei der New York Times als Journalistin anheuern?«
Sie lachte und strich sich die Haare hinter die Ohren. »Es reicht, wenn einer aus der Familie alberne Träume hat. Rockstar zu werden, ist schon hochgegriffen. Aber Journalistin für die Times …«
»Ist unrealistischer?«, fragte ich amüsiert.
Sie grinste. »Na ja. Ich weiß, wie verdammt gut ihr seid. Und eure lächerliche Attraktivität wird auch nicht schaden. Aber ich bin … mittelmäßig.«
»Das ist nicht wahr«, sagte ich schroff. Sie war alles andere als das.
»Doch, ist es, und das ist vollkommen okay«, erwiderte sie lächelnd. »Ich kann keine weltverändernden Artikel schreiben. Egal, ob ich es will oder nicht. Klar, wenn ich ein paar freie Minuten hätte, könnte ich davon träumen, die Welt zu bereisen und als freie Journalistin über alles zu schreiben, was ich will …« Ihre Augen glänzten beim bloßen Gedanken daran … doch dann blinzelte sie und der Ausdruck war weg. »Aber wer hat die Zeit?«
Ich schnaubte. »Du musst aufhören, dich hinten anzustellen, Aimes.«
»Und du musst deinen Eltern sagen, dass du ihr Gebrüll nicht länger erträgst. Dass du es hasst, dass sie lautstark über all die Affären deines Vaters streiten – und dir trotzdem sagen, dass alles okay wäre.«
Ich senkte den Blick und rieb mir über die Augen. Sie hatte recht. Sie hatte meistens recht. Aber … »Es bringt nichts mehr. Ich mach meinen Abschluss und in ein paar Monaten bin ich ohnehin weg. Bis dahin kann ich ihnen auch noch aus dem Weg gehen.«
Aimee nickte langsam, bevor sie zögerlich nach meiner Hand griff und sie drückte. Sie strich sacht mit ihrem Daumen über meinen Handrücken und verteilte mit jeder Berührung weitere Hitze in meinem Körper. »Du musst noch nicht zurück, weißt du? Du könntest mit reinkommen. Es ist niemand da.«
Ich lachte trocken. Das war mir bewusst. Gerade deshalb würde ich auf keinen Fall mit reinkommen! »Ich halte das für keine gute Idee.«
»Warum?«
Ich schluckte und entzog ihr meine Hand. Stopfte sie in meine Hosentasche, als würde mir das irgendwie helfen, und fing ihren Blick ein. Ihre Pupillen waren geweitet und sie zupfte schon wieder nervös an ihrem Rocksaum herum. »Du weißt, warum«, flüsterte ich dunkel.
Die altbekannte Röte kletterte in ihre Wangen und ihr Atem beschleunigte sich. Ich hörte diese winzige Veränderung deutlich. Ich nahm jede Regung ihres Körpers, ihres Gesichtes wahr. Sah, wie sie ebenfalls schluckte, ihre Lippen mit der Zunge benetzte. »Carver, hör auf damit. Wir sind … Freunde. Es wird nichts passieren.«
Gequält zog ich die Augenbrauen zusammen. »Es wird etwas passieren, Aimes.«
»Nein! Weil du ein Aufreißer bist und ich nichts mit Aufreißern anfange. Schon vergessen?«
Ich schnaubte. Wir hätten dieses Gespräch nie führen dürfen.
»Carver. Wir hatten das schon.« Sie verdrehte die Augen, doch ich sah, wie sie den Schlüssel so fest umklammerte, dass er ihr ins eigene Fleisch schnitt. »Du willst mich nur einmal ins Bett bekommen, weil Gibson mein Bruder ist. Weil ich die … verbotene Frucht bin oder was auch immer! Also komm darüber hinweg.«
Ich wollte sie nur, weil sie eine verbotene Frucht war?
Mit verengten Augen betrachtete ich sie, während ein kleiner schwarzer Ball bedrohlich in meinem Magen umherrollte. Ich hasste es, dass sie so dachte. Dass sie schon wieder ihren Bruder vorschob. »Aimee. Provozier mich nicht.«
»Das tue ich nicht. Ich bin es nur leid, dass es in letzter Zeit immer … verkrampft ist, wenn wir zusammen sind. Weil du dir einbildest, da wäre mehr zwischen uns als …«
»Aimee«, unterbrach ich sie schroff. »Halt die Klappe. Ich bilde mir einen Dreck ein. Ich bemerke deine Blicke genauso wie du meine.«
»Ja, natürlich sehe ich dich an.« Sie winkte ab. »Du bist heiß. Hab ich doch gesagt. Aber es bedeutet nichts. Und du willst mich nur, weil du mich nicht haben kannst. Wenn sich das ändern würde, wäre da nichts mehr.«
Ich lachte trocken auf und fuhr mir mit beiden Händen in die Haare. Scheiße, sie musste wirklich aufhören zu reden. Sie übertrat gerade jede Grenze, die wir die letzten Jahre so sorgfältig aufgestellt hatten. »Wenn sich das ändern würde, Aimes«, wisperte ich gefährlich leise. »Wenn du nicht Gibsons Schwester wärst, wenn die Dinge anders wären … dann stünden wir verdammt noch mal nicht mehr hier draußen in der Kälte.«
Ich sah, wie sie schluckte. Wie ihre Brust sich schwer hob und senkte … und dann nickte sie langsam.
»Okay. Wenn es das ist, was du denkst: Lass uns das Ganze aus der Welt schaffen. Wenn du mich wirklich willst, dann komm.« Sie trat nach vorn, sodass ihre Füße gegen meine stießen, und hob herausfordernd den Blick. »Küss mich.«
Augenblicklich erreichte Hitze meine Leistengegend. »Was?«
»Du sollst mich küssen.« Sie reckte das Kinn. »Du weißt doch, wie das geht. Du küsst ungefähr alles, was einen Rock trägt.«
»Aimee …«
»Küss mich, Carver – einmal. Und dann wirst du schon sehen, dass du nicht mehr willst. Dass du dich völlig umsonst so anstellst. Dann kann endlich alles wieder normalwerden.«
»Ich werde dich nicht küssen!«, sagte ich verärgert. »Gibson ist mein verdammter bester Freund und ich hänge an meinem Leben.«
Mit verengten Augen legte sie die Hände auf meinen Bizeps. Strich langsam zu meinen Schultern hoch. »Siehst du? Es ist nur das Verbotene. Es ist nur mein Bruder.«
»Hör auf zu reden, Aimee«, meinte ich genervt und zog die Hände aus den Taschen, um sie wegzuschieben.
»Warum denn? Es ist doch wahr.« Sie fuhr mit dem Zeigefinger über meinen heftig schlagenden Puls, strich über mein raues Kinn. Hinterließ kleine Flammen überall dort, wo sie mich berührte. »Wenn du mich willst, so wie du behauptest, dann offenbar nicht genug, um etwas zu riskieren. So oder so: Es ist Schwachsinn. Also küss mich und sieh selbst, dass da nichts ist. Mein Bruder wird nie etwas davon erfahren. Und dann kannst du endlich aufhören, mit mir zu flirten, wenn niemand hinsieht. Mich abzuholen und zur Tür zu bringen. Oder mich anzustarren, wenn du denkst, dass ich es nicht mitbekomme. Denn es ist großer Mist! Du magst nur die Gefahr, nicht mich. Zumindest nicht auf diese Weise und …«
Ich küsste sie.
Weil sie die Klappe halten musste. Weil sie mich mit jedem ihrer Worte wütender machte. Weil ihre Finger in meinen Nacken gewandert waren und ich mehr wollte. Immer mehr wollte.
Seit Wochen. Monaten. Jahren.
Also zog ich sie grob an der Hüfte heran und presste meinen Mund auf ihren. Tat das, woran ich seit Ewigkeiten dachte.
Aimee keuchte überrascht auf. Als hätte sie nicht damit gerechnet, dass ich ihrer absurden Bitte nachkam. Doch wenn sie mir nicht glauben wollte, was ich fühlte, würde ich es eben beweisen.
Ich wanderte mit den Händen an ihre Taille, nutzte ihre vor Überraschung geöffneten Lippen schamlos aus und tauchte mit meiner Zunge dazwischen. Sie schmeckte nach Popcorn und Aimee. Nach … mehr.
Alles in meinem Körper spannte sich an. Verlangte nach allem, was ich mir seit Jahren verbot. Also nahm ich es mir und gab ihr gleichzeitig alles. Vertiefte den Kuss, bis ich nicht mehr wusste, wo ich aufhörte und sie anfing.
Aimee krallte die Finger in meinen Nacken und ging auf die Zehenspitzen, um mir entgegenzukommen. Zitternd atmete sie ein, bevor sie gegen mich sank und den Kuss erwiderte. Ihre Lippen waren weich. Sie war weich. Alles an ihr. Von den Tönen, die sie von sich gab, bis zu ihren Brüsten, die sie an mich presste. Sie öffnete den Mund, spiegelte mein Verlangen mit jeder ihrer Gesten und kletterte an meinem Körper hinauf, bis ich die Hände auf ihren Hintern legte und sie hochhob. Den Druck genoss, den sie auf den Reißverschluss meiner Jeans ausübte.
Alle unsere Regeln und Grenzen lagen in Scherben zu unseren Füßen. Also küsste ich Aimee, bis mir schwindelte. Bis ihr Atem nur noch in kurzen Stößen kam. Bis alles um mich herum nur noch eine dunkle, schemenhafte Masse war. Erst dann löste ich mich von ihr.
»Du liegst falsch«, flüsterte ich an ihren Lippen. »Ich will dich, Aimee.Und dein Bruder könnte mir gerade egaler nicht sein.«
Sie schluckte, ihre Augen glasig, ihre Lippen geschwollen. »Okay, und ich will mich wirklich nicht mehr hinten anstellen, also …« Sie zog meinen Kopf wieder zu sich hinunter.
Ich ließ sie. Ich war zu schwach für Gegenwehr. Jetzt war die Büchse der Pandora ohnehin geöffnet und ich wusste, was ich längst geahnt hatte: Ich würde niemals genug von Aimee Grace Hunt bekommen.
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