Lilly würde es nicht aussprechen, aber sie konnte Eishockey immer noch nicht allzu viel abgewinnen. Eishockeyspieler hingegen – die mochte sie! In Maßen. Und was Eishockey-Liebesromane anging … von denen konnte sie nie genug kriegen. Sie hatte nur seit Ewigkeiten keine Zeit mehr zum Lesen gehabt.
Doch dank Austin hatte sie die letzten zwei Stunden endlich einmal mit einem Buch auf der Couch liegen und einem heißen Hockeyspieler dabei zusehen dürfen, wie er sich verliebte – sie hatte nun einmal eine Schwäche für sich verliebende Hockeyspieler! Das konnte ihr wirklich niemand zum Vorwurf machen, also …
„Mom!“
Sie blinzelte und schaute auf. Delfina stand neben ihr, Wasser rann aus ihren feuchten Haaren, und sie hatte die Unterlippe vorgeschoben und die Hände in die Seiten gestemmt.
„Was?“
„Du hörst mir nicht zu“, informierte ihre Tochter sie laut und stampfte frustriert mit dem Fuß auf den Boden. „Ich schrei schon die ganze Zeit.“
„Und was hab ich dir dazu gesagt, durchs Haus zu schreien?“
„Jason und Leon schreien auch immer.“
Sie seufzte. Das war ein sehr solider Punkt. „Ich weiß, aber sie sind vielleicht nicht die besten Vorbilder. Sie sollten ebenso wenig schreien.“
„Dad meint, außer sie sind auf dem Eis.“
Langsam neigte sie den Kopf. „Ich schätze, auf dem Eis ist eine Ausnahme.“
„Warum?“
„Weil sie Sportler sind und im Eifer des Gefechts offenbar ihre Stimmlautstärke nicht kontrollieren können.“
„Das heißt, in der Schwimmhalle darf ich auch schreien?“, fragte sie hoffnungsvoll und hob die Augenbrauen.
„Nein.“
„Aber wieso? Ich bin auch Sportlerin!“
„Das kann dein Vater dir erklären“, beschloss sie. „Was gab es denn Dringendes?“
„Ich brauche Zöpfe. Jetzt und dann über Nacht“, erklärte Del. „Vier Stück! Yunai meint, dann kriegt man ganz tolle Locken. Aber dafür müssen die Haare nass sein und meine trocknen gerade zu schnell – also musst du mir jetzt vier Zöpfe machen.“
Lilly betrachtete sehnsüchtig ihr Buch. Sie stand kurz vor der ersten spicy Szene … „Frag deinen Dad, Del. Er wird dir helfen.“ Ach, sie liebte es, Verantwortung auf Austin abwälzen zu können. Es war eine ihrer neuen Lieblingsbeschäftigungen.
„Dad ist nicht gut darin, Zöpfe zu machen!“
„Er muss es lernen.“
„Aber was, wenn nicht die richtigen Locken rauskommen, wenn er es macht?“
„Sag ihm, er soll sich ein YouTube Video ansehen.“
Delfina seufzte schwer, trollte sich jedoch die Treppe hinauf, sodass Lilly endlich weiterlesen konnte. Der Hauptcharakter, Noah, kam gerade zu dem Schluss, dass er sich einfach nehmen würde, was er wollte und …
„Warum behauptet Delfina, ich wäre kein gutes Vorbild?“, riss sie eine Stimme aus den Gedanken. Sie stammte von Devreaux.
„Weil du im Haus herumschreist“, murmelte sie abwesend und blätterte weiter.
„Nur, wenn es nötig ist. Und Lilly, wo ist die Milch?“
„Frag deinen Dad.“
„Der wohnt in Kanada.“
„Oh.“ Sie ließ grinsend das Buch sinken. „Sorry, Jason. Gewohnheit. Ich glaub, Del hat den letzten Rest Milch heute Morgen für ihre Lucky Charms benutzt. Du musst wohl neue kaufen. Wie wär’s: Du gehst zum Supermarkt und hörst auf, mich zu nerven.“
„Jetzt klingst du schon wie Fox“, sagte er düster.
„Damit kann ich leben. Und wann ziehst du noch mal aus?“
„Wow.“ Er hob beide Hände. „Es ist, als wolltet ihr das Haus für euch allein haben und nicht mehr mit einem kostenlosen Babysitter zusammenwohnen.“
Sie verdrehte die Augen. Es war wirklich lächerlich, wie viele Hockeyspieler hier täglich ein und aus gingen. Als wären sie eine Eishalle. „Du hast meine Frage nicht beantwortet. Austin meinte, du hättest ein Haus mit einem der anderen Spieler gefunden, weil du nicht gern allein wohnst.“
Seine Wangen liefen rosa an. „Mir macht es nichts aus, allein zu wohnen! Ich langweile mich nur schnell – und da Nieminen auch neu ist und noch im Hotel gewohnt hat und auch schnell eins… ähm … sich auch schnell langweilt, haben wir zusammen nach Immobilien gesucht.“
„Nieminen.“ Ihr Kopf schoss in die Höhe. Den Namen hatte sie in letzter Zeit sehr oft gehört. Und zwar wegen dem Buch in ihrer Hand. „Sag mal, ist Leevi Nieminen zufällig mit Tero Nieminen verwandt?“
„Sie sind Brüder. Tero ist aber in Boston. Wieso?“
„Nur so“, sagte sie hastig und vergrub ihre Nase zurück im Buch. „Also, ihr habt ein Haus gefunden?“
„Jap. Es ist das direkt nebenan! Ich zieh in einem Monat aus – wir werden Nachbarn.“
„Oh, schön. Das ist … Moment, was?“ Ruckartig sah sie auf, doch Devreaux war schon verschwunden. Seufzend schüttelte sie den Kopf. „Zu viele Hockeyspieler …“
„Sollte ich das persönlich nehmen?“, wollte Austin wissen, der ins Wohnzimmer spazierte und sich im nächsten Moment über sie beugte. „Ich dachte, du liebst Hockeyspieler.“
„Ich liebe dich. Aber das würde ich auch tun, wenn du … keine Ahnung … professioneller Einsiedler wärst! Ich will doch nur lesen“, jammerte sie und zog seinen Kopf zu einem Kuss heran. „Austin: Du hast mir einen freien Abend versprochen und trotzdem nerven mich all deine Kinder.“
Er grinste. „Meine Kinder?“
„Na, zumindest Devreaux schreibe ich zu hundert Prozent dir zu! Von Del beaufsichtige ich gern fünfzig Prozent. Solange es nicht heute ist. Hast du ihr Zöpfe gemacht?“
„Jap. Sie sieht jetzt aus, als würde sie von einer Gruppe Wölfen aufgezogen.“
„Oh, hat sie sich beschwert?“
„Laut. Sie wollte sie von dir neu machen lassen – doch ich meinte, du hättest heute Zöpfe-frei.“
Sie seufzte und küsste ihn gleich noch einmal. „Danke. Das ist sehr lieb. Und du kannst jetzt auch gehen, damit ich weiterlesen kann …“
„Was liest du denn eigentlich?“, fragte er stirnrunzelnd und besah sich das Cover. „Ist das ein Eishockeyspieler?“
„Na, du wolltest doch, dass ich mich in dem Bereich weiterbilde.“
Er verengte die Augen. „Ich dachte, der Sport wäre unnötig gewalttätig.“
„Oh, das ist er. Aber Hockey ist hier eher, ähm … zweitrangig.“ Ihre Wangen fühlten sich mittlerweile so heiß an wie es der Hauptcharakter in dem Buch war.
„Was bedeutet das?“
„Na ja, zurzeit geht es eher um … innige Freundschaft?“
Misstrauisch musterte er sie – und zog ihr im nächsten Moment das Buch aus den Händen.
Oh Gott. „Austin, nein …“
„Ich will nur ein wenig reinlesen“, sagte er unschuldig und hielt es über ihren Kopf. „Ah, sie sind zumindest in einer Eishalle und …“ Er verstummte und seine Augen weiteten sich. „Was zur Hölle? Das hab ich noch nie auf dem Eis gemacht.“
Stöhnend vergrub sie das Gesicht in den Händen. „Gib es zurück!“
Er ignorierte sie. „Nein, damit sollte man einen Hockeystick wirklich nicht vergleichen“, meinte er ungläubig. „Und weißt du, wie dreckig diese Banden sind? Die sollten wirklich nicht mit nackter Haut in Berührung kommen! Wer schreibt sowas?“
„Hey!“, beschwerte sie sich sofort, stieg auf die Couch und riss ihm das Buch aus der Hand. „Nova Sparks ist ein Genie! Der Hauptcharakter war so unsympathisch zu Anfang, aber jetzt ist er einfach nur noch heiß! Das ist Kunst.“
„Nein. Das ist ein Porno“, korrigierte Austin sie im Flüsterton und umschloss ihre Taille mit den Händen.
„Es ist eine Liebesgeschichte“, sagte sie verärgert. „Sex und Liebe gehören zusammen.“
„Oh, ich beschwere mich nicht.“ Austins Hände wanderten höher. „Ich finde es gut, dass du dich in dem Bereich weiterbildest.“
Sie verdrehte die Augen, musste jedoch lachen. „Das Buch ist gut! Und laut Gerüchten basiert der Hauptcharakter auf einem echten Spieler. Kennst du zufällig einen Tero Nieminen?“
Austin starrte sie mit offenem Mund an – dann fing er an zu lachen. „Ja. Er ist der Goalie der Boston Badgers. Der einzige Kerl in der NHL, der Moreau ernsthaft Konkurrenz macht.“
„Und das ist witzig?“
„Nein. Aber der Kerl hasst die Medien. Das weiß jeder. Und wenn jemand so lebensmüde war, ihn in einen Liebesroman zu schreiben … dann wünsche ich dieser Person viel Glück. Sie wird es brauchen.“
„Ach, vermutlich stimmt es nicht“, meinte sie. „Egal. Lass mich weiterlesen.“
„So so … der Bildung wegen?“, vermutete er und ließ die Stirn gegen ihre sinken.
„Ja. Bildung ist wichtig … du schaust dir also lieber noch ein paar Videos an, um zu lernen, schönere Zöpfe zu flechten!“
„Ich hab noch eine Menge Zeit, es zu lernen“, flüsterte er und küsste sie sacht. „Und wir können uns heute Nacht gern austauschen. Du erzählst mir, was du im Buch gelernt hast … ich erzähle dir, was ich gelernt habe …“
Sie grinste. „Abgemacht. Und sag mal … kommen wir irgendwie allein ins Stadion? Falls ich ausprobieren will, was ich gelernt habe?“
Er lachte leise. „Das lässt sich sicherlich einrichten“, murmelte er und küsste sie.
Du möchtest jetzt auch wissen, ob der Spieler in Lillys Buch auf Tero Nieminen basiert? Dann schau dir „Skates & Sparks“ an, wo Autorin Nova Sparks auf der Suche nach Inspiration den Boston Badgers einen Besuch abstattet …
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